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Durch die Corona-Zeit zum Team gestoßen

Hallo Eric, vielen Dank für deine Zeit und Bereitschaft heute ein paar Fragen zu beantworten. Wie bereits bei deinen Mitspielern möchte ich damit beginnen, dass du dich doch bitte zunächst kurz den Lesern selbst vorstellst.

  • Ich bin ein 24-jähriger Student der Molekularmedizin und lebe momentan in meinem Heimatort in der Nähe von Karlsruhe. Mein Haupthobby ist natürlich Counter-Strike ansonsten verbringe ich viel Zeit mit Freunden entweder beim Sport oder beim gemeinsamen Feiern. Angefangen CS zu spielen hab ich 2014 während dem Abitur (weil man da ja auch nichts Besseres zu tun hat) und bin seitdem eigentlich dauerhaft aktiv.

Und trotzdem weiß ich, dass du im Vergleich zu deinen Mitspielern eigentlich nicht aus der CS-Szene kommst. Erzähle doch bitte den Lesern mehr über deine bisherige eSport-Karriere.

  • Meine erste Begegnung mit dem Thema eSport hatte ich 2009 mit dem Spiel Warsow. Dazu eine kleine Vorgeschichte: Ich hatte schon immer eine Affinität zu Arena-FPS was daher rührte, dass Unreal Tournament 99 der erste Shooter auf dem PC für mich war. Mit zarten 7 Jahren saß ich bei meinem Cousin und wir spielten Capture the Flag die komplette Nacht durch bis meine Eltern mich morgens abholten. Nachdem mein Cousin wegen der Universität weg zog bildete sich eine große Lücke für mich denn selber durfte ich solche Spiele nicht haben und lange Zeit war das Thema Shooter für mich auf Eis gelegt, bis 2009 kam. Warsow war ein Free-to-play Shooter und Quake 3 nicht unähnlich, eigentlich war das Spiel sogar eine exakte Kopie, jedoch mit wesentlich höherer Spielgeschwindigkeit. Es hatte eine sehr kleine aber ambitionierte Community, Clans dominierten die Szene und wer „aufsteigen“ wollte musste sich einen Namen machen, keinen Rang oder ähnliches erreichen. In der Szene blühte ich auf und wurde das erste Mal angefixt vom Thema competitive Gaming und eSport. Ich fand meine ersten Clans denen ich beitrat und bestritt Wettkämpfe mit diesen jedoch gab es nicht wirklich offizielle Wettbewerbe die Community war einfach zu klein und 2018 war das Game tot. Nach den ersten Jahren war eigentlich wieder tote Hose und ich spielte hauptsächlich Casual-Shooter und eine Zeitlang Taktik-Shooter bis ich dann zu CS:GO fand wo das Thema eSport dann im Verlauf der Jahre für mich eine komplett andere Dimension erhielt.

Von UT über Warsow also zu CS:GO. Du hast laut Steam bereits über 5.000 Stunden CS:GO gespielt. Dennoch ist dieses Team erst dein zweites festen CS:GO-Team in deiner Vita. Wie hast du bisher in CS:GO diese Stunden zusammen gebracht?

  • Den ersten Part der Stunden habe ich wie die meisten CS-Spieler verbracht: Mit Matchmaking und Pick-Up-Games. Das Spiel war etwas komplett Neues für mich zwar hatte ich zuvor schon mal CS:S ausprobiert aber nie wirklich einen Zugang dazu gefunden. Als ich dann über Family-Sharing (ja wirklich) CS:GO ausprobierte war ich sofort in den Bann gezogen irgendetwas hatte das Spiel was Source nicht hatte und ich verbrachte die ersten Stunden hauptsächlich mit Deathmatch weil ich mich noch nicht wirklich an 5vs5 heran traute. Bei den ersten Matchmakings war ich noch sehr nervös aber ich fand ein Gefallen dran und machte einige Bekanntschaften über die Jahre mit denen ich dann zum Spaß spielte und so kamen einige Stunden zusammen. Nach einiger Zeit bemerkte ich den Trend dass ich nach kurzer Zeit die Leute mit denen ich spielte meist vom Können her überholte es machte mir jedoch nicht wirklich was aus aber über die Zeit veränderte sich der auch der Pool der Leute mit denen ich spielte und meine Mitspieler wurden auch immer besser und ich konnte immer mehr lernen. Nachdem sich eine Gruppe mit der ich lange gespielt hatte verrannt hatte spielte ich wieder hauptsächlich allein aber ich hatte keine Lust auf Soloqueue und verbrachte die meiste Zeit auf aim_botz oder Retake-Servern, die mich an Warsow erinnerten, weil sich auf manchen Servern eine kleine Community bildete und man sich kannte. Diese Zeit bildete die zweite Hälfte meiner Stunden und in dieser fokussierte ich mich erstmals aktiv auf die Förderung meiner Fähigkeiten aber den Sprung zum Team wagte ich lange Zeit aufgrund private Umstände nicht.

Und inzwischen hast du bereits in der 99Damage-Liga gespielt und jetzt dein zweites vollständiges Team. Mit Holger und Anton hast du zwei sehr erfahrene CS-Spieler an deiner Seite. Welchen Nutzen kannst du daraus ziehen und wobei hast du selbst eine bisherige Verbesserung deines Spielstils gemerkt?

  • Wie schon erwähnt war ja meine bisherige Erfahrung größtenteils individuell fokussiert entweder durch individuelles Training oder durch Spielmodi wie Matchmaking die individuelles Spiel fördern und bei denen man eigentlich nicht wirklich als Team agiert. Spieler wie Holger und Anton sind durch ihre Erfahrung in der Lage Stärken und Schwächen in Spielern zu erkennen und diese entsprechend zu fördern oder zu unterbinden. Meine bisherige Zeit hat mich vor allem gelernt dass ich gleichzeitig besser bin als ich dachte als auch schlechter. Klingt zwar nicht plausibel aber beschreibt meine bisherige Erfahrung tatsächlich am besten. Neben dieser allgemeinen Erkenntnis haben sich im technischen Aspekt vor allem meine Kommunikation sowie mein Verständnis von Utility immens verbessert auch wenn zweiteres immer noch ausbaufähig ist. Durch Holger und Anton habe ich das erste Mal erfahren wie "richtiges" CS funktioniert und wie das Aufrechterhalten von Disziplin, Kommunikation, Teamplay und Utilityusage jeden ach so krassen Aimer und jedes Team bezwingen kann individueller Skill ist gut zu haben aber im Kontext von Team-CS rückt es an zweite Stelle.

Und aus Reihen des Teams weiß ich auch, dass deine Mitspieler zufrieden mit deiner Entwicklung sind.
Wechseln wir kurz die Perspektive: Wenn du die CS:GO- und Warsow-Szene miteinander vergleichst: Welche krassen Unterschiede stellst du da fest?

  • Natürlich erstmal die Größe. Counter-Strike ist eigentlich schon ein kulturelles Phänomen kaum ein Spiel hat die Branche und vor allem den eSport so geprägt wie CS jeder und seine Oma kennt es, es war sogar Bestandteil von politischen Debatten und nach über 20 Jahren verzeichnet es die meisten Spieler aller Zeiten. Von Warsow auf CS zu wechseln ist vergleichbar mit dem Wechsel von einer Randsportart zu Fußball. Das hat natürlich Vorteile wie Nachteile. CS hat einen riesigen Resourcenpool auf den man zugreifen kann: Workshopmaps, Tutorials oder anderer Content und natürlich eine aktive eSport-Szene mit riesigen Turnieren und Preisgeldern. Aber Probleme wie Toxicity und Cheater plagen das Spiel noch heute und hat schon dem ein oder anderen die Suppe ordentlich versalzt. Warsow war klein jeder kannte jeden wer toxic war wurde von den wenigen Servern die Spieler hatten gebannt natürlich war man anonym aber nicht im selben Umfang wie man es in CS ist und das führte dazu dass die Community größtenteils freundlich wenn auch bei Zeiten etwas elitär war. Die Games an sich sind natürlich auch grundverschieden das ist so als würde man Risiko mit Blitzschach vergleichen. Warsow ist schneller und aimlastiger, CS taktischer und vor allem auf Teamplay fokussiert. Dennoch hat CS immer noch Elemente die an die Oldschoolshooter erinnern weil es naja eigentlich Oldschool ist aber genau das finde ich extrem spannend.

Schöner Vergleich zwischen Randsport und Fußball. 
Du hast mir im Vorfeld dieses Interviews bereits erzählt, dass Du American Football gespielt hast. Welche Position hattest du da inne? Und helfen dir diesen Erfahrungen in CS:GO?

  • Bevor ich an meine jetzige Universität gewechselt bin habe ich so ungefähr ein halbes Jahr American Football gespielt also im Kontext "richtiger" Footballspieler nur ein Wimpernschlag. Dennoch hat es als großes Hobby außerhalb von CS ein wichtigen Platz in meinem Herz gefunden und die Erfahrungen die ich dort gemacht habe vor allem im Überwinden innerer Ängste und dass man als "Underdog" durch Technik und Teamwork auch auf dem Papier stärkere Gegner besiegen kann prägen mich bis heute in vielerlei Hinsicht auch in CS.
  • Ich hatte die Position des Wide Receivers inne dem Ballempfänger der über das Passspiel mit dem Quarterback versucht Yards zu gewinnen oder für seine Mitspieler offensiv blockt.

Neben deiner CS-Karriere bist du auch mit voller Leidenschaft in deinem Studium unterwegs. Was genau verbirgt sich hinter der Molekularmedizin und wie kommt man auf ein solches Studium?

  • Der Studiengang der Molekularmedizin ist ein medizinischer Studiengang der im Gegensatz zu Humanmedizin oder Zahnmedizin nicht auf die spätere Tätigkeit als Arzt ausgerichtet ist sondern auf medizinische Grundlagenforschung in allen möglichen Bereichen je nach dem was einen interessiert. Ich bin auf den Studiengang nach einem missglückten vorherigen Studium gekommen weil ich mich auf das fokussierte was mich schon als Kind interessierte. Naturwissenschaften waren schon immer interessant für mich und die Perspektive in der Zukunft in Forschung tätig zu sein die ein weiteres Geheimnis lüftet oder zur Entwicklung einer Therapie für eine Krankheit führt finde ich sehr spannend.

Also wirst du kein behandelnder Arzt, sondern gehst in die Forschung. Gewiss nicht minder wichtig.
Und zu allem Überfluss kam dieses Jahr die Corona-Pandemie und das Leben stand still. Ebenfalls das Studium? Wie hast du die vergangenen Monate verbracht um kein Lagerkoller oder dergleichen zu bekommen?

  • In den ersten Wochen ging die Isolation eigentlich gut von der Hand ich bin viel vorm PC gewesen und hab es sogar etwas genossen einfach mal nichts zu machen. Nach einigen Wochen hatte ich dann doch einen Lagerkoller und fand das ganze Thema echt zum Kotzen. Da haben mir vor allem lange Spaziergänge im Wald geholfen und das Treffen von einzelnen Kumpels natürlich mit angemessenem Abstand. Gegen Mitte der ganzen Geschichte trat ich dann dem Team bei was dann natürlich meine Motivation bzgl. CS wieder enorm anhob und ich konnte wieder vorm PC hocken.

CS alt Heilmittel gegen die Langeweile!
Eine beliebte Frage in Thema teamKR: Was findest du spontan gut und was nicht, bei uns im Verein? Vielleicht gibt es etwas, dass du aus der Warsow-Szene oder aus dem Football hier gerne sehen würdest?

  • Gut finde ich die familiäre Atmosphäre und die Leidenschaft die in allen Leuten hier steckt. Man merkt in den Gesprächen dass das Thema eSports eine wichtige Bedeutung für alle Beteiligten hat und dass man diesem Phänomen mit dem eigenen Verein gerecht werden will. Trotz der Ambitionen steht trotzdem das Thema Mensch im Vordergrund, als Team dürfen wir uns größtenteils eigenständig entwickeln, unnötiger Druck wird von TeamKR nicht aufgebaut. Es freut mich eine symphytische und auf dem Boden gebliebene Truppe vertreten zu dürfen spontan fällt mir nichts Negatives ein ich bin rundum zufrieden

Vielen Dank für die sehr positiven Worte. Und natürlich vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehört natürlich dir!

  • Vielen Dank für das Vertrauen was ihr dem Team und mir schenkt. Ich fühle mich geehrt meine richtigen Anfänge im eSport bei euch zu finden und es ist ein Privileg die anderen vier als Teammates zu haben. Ich freue mich auf die Zukunft!
Erstellt von: Luxifa Veröffentlicht am: July 26, 2020, 10:45 a.m.